(d) ein Rathaus

Das Würzburger Rathaus ist ganz ohne Zweifel eine Besonderheit der Stadt. Nicht nur weil der Grafeneckart als Gebäude zurückgeht bis in die romanische Zeit, sondern auch weil der Häuserkomplex heute zwei sehr unterschiedliche Gesichter zeigt. Ich hörte bereits davon, dass sich Leute „vor dem Rathaus“ verabredet und doch niemals getroffen haben, weil einer hinter und einer vor dem Rathaus gewartet hat. Den tatsächlichen Eingang zum Rathaus schmückt ein bemerkenswerter Spruch:

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„Gott lass uns das Rechte kennen, das wir Schlechtes nicht verfechten . A.D. MCML . Unsere Herzen sehnlich brennen nach dem Echten nach dem Rechten.“

1950  – im Rückblick auf eine 12 Jahre dauernde NS-Herrschaft aus diesem Hause und eine anfänglich turbulente Nachkriegszeit ein durchaus nachvollziehbarer Wunsch.

 

Der Würzburger Stadtrat tagt seit Anfang des 14. Jahrhunderts im Grafeneckart, dessen Geschichte Wolfgang Jung zum 700-jährigen Jubiläum in einem beeindruckenden Artikel beschrieben hat. Zusätzlich zum Grafeneckart, der im 12. Jahrhundert einem gewissen Ekkehardus gehörte, wurden im Jahr 1316 auch Nachbargebäude dazu gekauft, darunter Haus und Hof eines aus Rothenburg stammenden Juden namens Samuel Biscoph, der diesen Besitz im Jahr 1180 erworben hatte (wie eine Urkunde in der Monumenta Boica erzählt). Ob Samuels Haus bei den 1294 leider auch in Würzburg stattfindenen „Rintfleisch-Pogromen“ seine jüdischen Bewohner verlor oder schon früher den Besitzer wechselte, ist ungewiss. Bemerkenswert ist allerdings, dass auch hier deutlich wird, wie unzertrennlich jüdisches Leben mit Würzburg und seiner Geschichte verbunden ist.

 

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