{"id":117,"date":"2018-04-01T01:52:52","date_gmt":"2018-03-31T23:52:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wuerzburg.kauda.de\/?p=117"},"modified":"2018-04-17T13:16:03","modified_gmt":"2018-04-17T11:16:03","slug":"happy-birthday-bismarckstrasse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wuerzburg.kauda.de\/?p=117","title":{"rendered":"Happy Birthday, Bismarckstra\u00dfe!"},"content":{"rendered":"<p>Am 1. April wird die <a href=\"http:\/\/www.wuerzburgwiki.de\/wiki\/Bismarckstra%C3%9Fe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bismarckstra\u00dfe<\/a> 103 Jahre alt. Anl\u00e4sslich der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Otto von Bismarck wurde die damalige \u201ePleicherglacisstra\u00dfe\u201c 1915 in \u201eBismarckstra\u00dfe\u201c umbenannt. Mit etlichen herrschaftlichen Prachth\u00e4usern, die den Krieg \u00fcberlebten, gibt sie noch heute einen Eindruck von der Dynamik der W\u00fcrzburger Stadtentwicklung beim \u00dcbergang vom 19. zum 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wuerzburg.kauda.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bismarckstra\u00dfe-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-165 aligncenter\" src=\"http:\/\/wuerzburg.kauda.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bismarckstra\u00dfe-2-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/wuerzburg.kauda.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bismarckstra\u00dfe-2-300x169.jpg 300w, http:\/\/wuerzburg.kauda.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bismarckstra\u00dfe-2-768x433.jpg 768w, http:\/\/wuerzburg.kauda.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bismarckstra\u00dfe-2-1024x577.jpg 1024w, http:\/\/wuerzburg.kauda.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bismarckstra\u00dfe-2-624x352.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Seit der vollst\u00e4ndigen Einebnung der Mauer- und Glacisanlagen im Jahr 1880 konnte W\u00fcrzburg endlich \u00fcber die enge Altstadt hinauswachsen. Und so entstand jenseits des neu angelegten Ringparks zwischen Veitsh\u00f6chheimer Stra\u00dfe und dem 1864 eingeweihten Bahnhof eines der besten Wohngebiete W\u00fcrzburgs, in dem Universit\u00e4tsprofessoren, h\u00f6here Milit\u00e4rs und Gro\u00dfunternehmer ihren repr\u00e4sentativen Wohnsitz fanden. Die Wohnungen waren gro\u00dfz\u00fcgig mit bis zu neun Zimmern und moderner Sanit\u00e4rtechnik ausgestattet, w\u00e4hrend die einseitige Stra\u00dfenbebauung und S\u00fcdausrichtung der H\u00e4user mit Erkern, Dachterrassen und umgebenden G\u00e4rten Raum f\u00fcr \u201eR\u00e9cr\u00e9ation\u201c und Ausblick boten. Dem Zeitgeschmack entsprechend \u2013 der Historismus l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen! \u2013 zeigten die H\u00e4user, leicht zur\u00fcckgesetzt und gesichert hinter Eisengussz\u00e4unen, zur Stra\u00dfe hin Status und Wohlstand, w\u00e4hrend in den Hinterh\u00e4usern teilweise Gewerber\u00e4ume und auch Lagerhallen zu finden waren. Die dunkleren Dachetagen waren dem Dienstpersonal vorbehalten, welche das wohlhabende B\u00fcrgertum f\u00fcr Haushalt, K\u00fcche und Kutsche zahlreich ben\u00f6tigte.<\/p>\n<p>Die Bismarckstra\u00dfe, anfangs des 20. Jahrhunderts durchwegs vornehm, zeigte damals eine soziale Gliederung, die sich auch architektonisch Ausdruck verschaffte. So wurden die H\u00e4user von der Nummer 1 an der Veitsh\u00f6chheimer Stra\u00dfe bis zum Bahnpostamt \u201eimmer herrschaftlicher\u201c, wie die Journalistin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Margret_Boveri\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Margret Boveri<\/a>, die in der Nummer 8 aufwuchs, in ihren Memoiren zu berichten wusste. Die direkt an die weniger noble Rotkreuzstra\u00dfe angrenzenden H\u00e4user Nummer 4 bis 8 \u2013 sie stehen heute noch \u2013 sind vierst\u00f6ckig in Reihe gebaut und an ihrer Au\u00dfenfassade mit weniger Pomp und Stuck verziert als die in Richtung des Bahnhofs folgenden Privatvillen. In der N\u00e4he der naturwissenschaftlichen Institute am R\u00f6ntgenring wohnten Professoren und Privatdozenten, Offiziere, Juristen und \u00c4rzte.\u00a0<em>\u201eWenn man gesellschaftlich auch nicht miteinander verkehrte, so kannte man sich doch,\u201c<\/em>\u00a0schrieb Boveri, die selbst Tochter des Biologieprofessors Theodor Boveri war. In den einzeln stehenden Familienvillen in Richtung des Bahnhofs lebten dagegen Gro\u00dfh\u00e4ndler und Kommerzialr\u00e4te eher abgeschieden hinter aufwendigem Dekor.<\/p>\n<p>In der Mitte der Stra\u00dfe steht mit der Nummer 13 noch heute beeindruckend die ehemalige Villa des Baustoff-Gro\u00dfunternehmers Fritz Lang, welches im Jahr 1918 von der j\u00fcdischen Familie <a href=\"http:\/\/www.stolpersteine-wuerzburg.de\/wer_opfer_lang.php?&amp;opferid=579\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sichel<\/a> abgekauft wurde, eines Tuchgro\u00dfhandelsunternehmens mit Filialen in Frankfurt, Aschaffenburg und K\u00f6ln. Das 1891 fertig gestellte Backstein-Geb\u00e4ude mit Sandsteinelementen zeugt vom Wohlstand der Familien und gibt mit seinen Ziergiebeln, Pilastern und Erkern einen lebendigen Eindruck der Gestaltungselemente der Neorenaissance, die durch Dachterrasse und Turm erg\u00e4nzt sind. Das gro\u00dfe Grundst\u00fcck nebenan auf der anderen Seite der Sch\u00f6nleinstra\u00dfe war im Besitz der einflussreichen W\u00fcrzburger Tabakfabrikanten-Familie Sch\u00fcrer. W\u00e4hrend in der Nummer 14 und 15 nach Grundst\u00fccksverk\u00e4ufen an st\u00e4dtische Honoratioren vierst\u00f6ckige neubarocke B\u00fcrgerh\u00e4user mit Etagenwohnungen entstanden, lie\u00df sich Franz Sch\u00fcrer 1893\/94 in der Nummer 16 eine gro\u00dfz\u00fcgige Stadtvilla ganz im Charme des Eklektizismus erbauen: Das zweist\u00f6ckige Haus mit gro\u00dfen Naturstein-gerahmten Fenstern zeigt zur Stra\u00dfe hin einen massiven in S\u00e4ulen gefassten Erker mit Balkon, der auch mehr als 100 Jahre sp\u00e4ter noch zu bewundern ist (rechts im Bild). Der westliche Eckturm, damals mit einem barocken Dach \u00fcberw\u00f6lbt, tr\u00e4gt heute ein einfaches Zeltdach und auch die urspr\u00fcnglich in der Art des Jugendstils erbaute Dachkonstruktion wurde entfernt.<\/p>\n<p>Am Ende der Stra\u00dfe kam 1908 in der Nummer 22 das Gesch\u00e4ftshaus der Portland-Zementfabrik direkt neben dem Bahnpostamt dazu. <em>\u201eEin \u00fcberaus stattliches Geb\u00e4ude von \u00fcber 500 Quadratmeter bebauter Fl\u00e4che erhebt sich hier in vier Geschossen und gibt Zeugnis von der Verwertungsm\u00f6glichkeit der Zementprodukte und von dem Flei\u00dfe und dem Streben deutscher Industrie,\u201c<\/em> so Thomas Memminger 1921 in seinem Buch \u201e<a href=\"http:\/\/franconica.uni-wuerzburg.de\/ub\/wuesub\/pages\/wuesub\/49.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">W\u00fcrzburgs Stra\u00dfen und Bauten<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens im Jahr 1945 war der Glanz der Bismarckstra\u00dfe f\u00fcr immer verloren. Die Bomben zerst\u00f6rten einen betr\u00e4chtlichen Teil der W\u00fcrzburger Gr\u00fcnderzeit-Bauten, deren Sch\u00f6nheit die heutige Nachkriegsbebauung leider nicht mehr erahnen l\u00e4sst. Der Terror der Nationalsozialisten hatte die Stra\u00dfe und die in ihr lebenden Menschen jedoch schon einige Zeit vorher mit aller Wucht getroffen. Teile der j\u00fcdischen Oberschicht schafften vor 1942 die Flucht ins Ausland, viele andere starben in der Pogromnacht und in den Konzentrationslagern von Theresienstadt und Ausschwitz. Die <a href=\"http:\/\/www.wuerzburgwiki.de\/wiki\/Bismarckstra%C3%9Fe#Stolpersteine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stolpersteine<\/a> auf dem Gehweg vor den H\u00e4usern berichten traurig davon.<\/p>\n<p>Heute wird die Bismarckstra\u00dfe vom durchstr\u00f6menden Verkehr in Richtung des Busbahnhofs gepr\u00e4gt. Von der herrschaftlichen Stimmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist nichts mehr zu sp\u00fcren, auch wenn mittlerweile fast alle H\u00e4user aus der Gr\u00fcnderzeit unter Denkmalschutz stehen. Links und rechts der Stra\u00dfe parken Autos und Busse, w\u00e4hrend auf dem Gehweg Menschen in beide Richtungen eilen. Rund um die Rotkreuzstra\u00dfe beheimatet die Bismarckstra\u00dfe Miets- und Eigentumswohnungen, in Richtung Bahnhof folgt das gro\u00dfe Verwaltungsgeb\u00e4ude eines Energiekonzerns, eine Kanzlei sowie ein \u00c4rztehaus, das sich in der ehemaligen Sch\u00fcrer-Villa eingerichtet hat. Im hinteren, eher tristen Abschnitt um die Posthalle wird die Bismarckstra\u00dfe bis zum Jahr 2025 im Zuge der Planungen um das sog. \u201eBismarckquartier\u201c ein neues Gesicht erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. April wird die Bismarckstra\u00dfe 103 Jahre alt. Anl\u00e4sslich der Feierlichkeiten zum 100. 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